23 Weinbar Zinnengasse 4 Zürich realisiert

Eine Weinbar in einem in den 70er-Jahren neu aufgebauten Haus in der Altstadt Zürichs. Weder Ort noch Haus haben einen Bezug zu Wein. Das Haus hat eine lange Geschichte, welche durch mehrere komplette Erneuerungsphasen quasi negiert wird. Die Diskrepanz zwischen Themenarchitektur, beinahe eigenschaftslosem Raum und geschichtsträchtigem Ort, bot Anlass für ein konzeptionelles Experiment.

Die neue Nutzung ist ein thematischer Import, entsprechend wollen wir auch die Atmosphäre des Raumes und seine Identität als losgelöste, neue Ebene verstehen. Der Raum kann nie ein „Raum aus Stein“ oder ein „Raum aus Lehm“ oder „Raum aus Keramik“ werden. Die unkontrollierbaren, aus mehreren Umbauten resultierende Geometrie wird mittels maximal kontrastreichem Schwarz-Weiss-Horizont quasi aufgelöst. Der neue Raum wird durch collageartige Materialfelder neu definiert. Diese Importe bekommen als unabhängige, in ihrer eigenen Logik entworfene und montierte Elemente eine Selbstverständlichkeit: Stoff hängt, Keramik klebt, Steinplatten werden mit Bolzen gehalten,.. Mit zwei einfachen, statischen Eingriffen wird der Raum geöffnet und in seiner Grösse erlebbar gemacht. Alle Schnittflächen und Abbruchkanten bleiben unverputzt und werden lediglich neu gestrichen.
In der Mitte des Raumes steht die Bar aus massivem Marmor: Fünf Blöcke und insgesamt 19 Tonnen Laaser Marmor. Die nahezu unbearbeiteten Steine weisen Transport- und Ge- brauchsspuren auf und stehen direkt auf dem Boden. Lochbohrungen zeugen von der Technik des Transports und eine einfache, ausgebrochene Kante deutet die Nutzung als Bar an. Es gibt kein hinter und kein vor der Bar, es gibt nur den Raum und die Blöcke. Die schiere Masse dominiert den Raum und definiert ein neues, bisher inexistentes Zentrum.

Gemeinsam mit Nicolaj Bechtel, 2017
Mitarbeit: Daniel Klinger, Rogier Bos, Alice Francesconi
Bauingenieur: Schnetzer Puskas
Bauphysik: Raumanzug