Das Haus wird nicht als Körper mit umlaufender Hülle entworfen, sondern als performative Montage unterschiedlicher Objekte, die in direkter Beziehung zu ihrer äußeren Umgebung stehen. Die Haltung zum Ort bestimmt eine Palette einfacher Baumaterialien und schafft Kriterien für radikal direkte Konstruktionen. Die Bauteile lösen sich von eindeutigen Identitäten und werden zu starken, mehrdeutigen und autonomen Elementen. So stellt sich das Haus mit seinem ausschweifenden, gestenhaften Vordach und den expressiven, nach außen öffnenden Lüftungsfenstern dem Wald entgegen. Zur Aussichtsseite wird der Ausdruck massgeblich durch das 13 Meter lange Aluminium-Fensterband mit aufgesetzten textilen Markisen und einem kleineren Vordach geprägt. Die weitestgehend geschlossenen Seitenfassaden erlangen durch ihre Form und die präzise Ausformulierung des Schmetterlingsdaches eine hohe, schildartige Präsenz. Das schützende Faserzementdach hebt sich einige Zentimeter über die offenen Dachrinnen, wodurch die Kompaktheit des Volumens durch eine bewusst fragile Bauweise kontrastiert wird. Die für den Transport notwendige Elementierung des Holzdaches ermöglicht die große, strukturelle Oblichtöffnung mit Blick auf die überhängende Schwarzkiefer.
Die leicht asymmetrische Längsteilung der Grundmauern des Bestands wird übernommen und zum räumlichen Thema des Grundrisses weiterentwickelt. So ordnen sich waldseitig alle dienenden Räume an, die vom überlangen Wohnraum mit lateralem Blick in den Garten kontrastiert werden. Um dieser klaren räumlichen Situation Spannung zu verleihen, suchen die Funktionselemente den Widerspruch: Die Küche steht quer in den Raumschichten und negiert die klare Teilung. Kamin und Parkett drehen sich entgegen der Raumsequenz zur Küche und teilen die neu geschaffene Großzügigkeit der Wohnhalle auf subtile Art und Weise, in gut proportionierte Raumbereiche. Im Obergeschoss wird die Untersicht der Rohbauelemente zur fertigen Decke und die Direktheit der performativen Montage im Innern erlebbar. Die Anzahl aller Schichten und Elemente wird auf ihr Minimum reduziert, während die gestalterische Prägnanz der notwendigen Teile überhöht wird.
Direktauftrag
Bau der Woche - Swiss Architects, Finalist Preis "Bester Umbau 2021"
Publiziert u.a. in Hochparterre "2020-09", ARC Magazin "2021-04"
Architektur: Stefan Wülser
Bauingenieur: Schnetzer Puskas
Bauphysik: Raumanzug