Der auf zwei Arten radikale Umgang mit dem Bestand, einerseits in der Direktheit des Abbruchs und andererseits im kompromisslosen Erhalt, würdigt das einfache Arbeiterhaus in seiner Substanz und haucht ihm zugleich ein zweites Leben ein. Durch den bewussten Verzicht auf vereinheitlichende Massnahmen, bleiben die ursprünglichen Elemente des Hauses atmosphärisch prägend. Teils können sie ihre ursprüngliche Aufgabe weiter erfüllen, teils bleiben sie als Spuren lesbar; alle jedoch stehen im gleichberechtigten Verhältnis zum detailreichen Raum. Durch die konsequente, räumliche Öffnung über alle drei Stockwerke wird das Haus zur reichhaltigen Einheit mit verschiedensten Bezügen. Der doppelgeschossige Essbereich ist als Dreh- und Angelpunkt des Familienlebens von überall erkennbar. Im Erd- und im Dachgeschoss schärfen neue, strukturelle Öffnungen die atmosphärische und funktionale Bedeutung der fein austarierten, türlosen Übergänge.
Die Überlagerung der ursprünglichen Kammerung mit den neuen Raumabfolgen wird durch Materialwechsel und die sichtbaren Narben des Abbruchs erkennbar. Die bestehenden Bodenbeläge aus der Bauzeit werden wo immer möglich belassen, lediglich Bruch- und Schadstellen mit Zement ausgegossen. Die Wand- und Deckenflächen werden weiss gestrichen und so zur ruhigen aber detailreichen Oberfläche zusammengefasst. Die einzige räumliche Erweiterung des Hauses geschieht im Dachgeschoss durch das Aufsetzen zweier Lukarnen: Im Ankunftsraum entsteht durch die zenitale Öffnung eine introvertierte Atmosphäre, während sich das Schlafzimmer als Endpunkt der Raumsequenz durch seine grosse frontale Öffnung wieder dem Kontext zuwendet.
Direktauftrag
Besondere Nennung Preis "Bester Umbau 2018"
Publiziert u.a. in Archithese "Swiss Performance 2018"
Architektur: Stefan Wülser + Nicolaj Bechtel + Margarida Leão
Bauingenieur: Schnetzer Puskas
Bauphysik: Raumanzug