Der Einbau einer Weinbar in ein Haus, das in den 70er-Jahren in der Altstadt Zürichs neu aufgebaut wurde, ist ein räumlich-programmatisches Experiment. Weder Ort noch Haus haben einen Bezug zu Wein. Um das Programm dennoch am geschichtsträchtigen Ort zu verankern, spielt die Architektur mit ihrer eigenen Temporalität und bedient sich an einer Reihe kultureller Assoziationen. Die über mehreren Umbauten verunklärte Geometrie des Raumes wird mittels maximal kontrastreichem Schwarz-Weiss-Horizont negiert. Der neue Raum wird durch frei montierte Materialfelder definiert. Sie folgen als unabhängige Importe ihrer eigenen Logik: Stoff hängt, Keramik klebt, Steinplatten werden mit eisernen Bolzen gehalten,.. In der Mitte des Raumes steht eine massive Bar: Fünf Blöcke und insgesamt 19 Tonnen Laaser Marmor. Die nur roh bearbeiteten Steine weisen Transport- und Gebrauchsspuren auf und stehen direkt auf dem weichen Asphaltboden. Lochbohrungen zeugen von der Technik des Transports und eine einfache, ausgebrochene Kante deutet die Nutzung als Bar an. Es gibt kein hinter und kein vor der Bar, nur Raum und Objekt. Die schiere Masse dominiert und definiert ein neues, bisher inexistentes Zentrum.
Direktauftrag
Architektur: Stefan Wülser + Nicolaj Bechtel + Alice Francesconi
Bauingenieur: Schnetzer Puskas
Bauphysik: Raumanzug