Die Transformation der Seestrasse 1 in Zug räumt jedem Bestand vorbehaltlosen Wert ein und legt den Fokus auf die Gestaltung von integrativen Prozessen anstelle verfrüht formulierter Ziele und Leitbilder. Abseits der gewohnten Leistungsphasen wurde ein nicht-linearer Planungsprozess für den Umgang mit komplexen Bestandsstrukturen erprobt. Während der ersten Phase des kontrollierten Rückbaus maroder und nichttragender Bauteile wurde deutlich, dass die verschachtelte Raumstruktur nicht aus einem, sondern aus zwei Häusern, vier Räumen in einem dritten Haus und einer mehrfach überbauten ehemaligen Gasse bestand. Begegnet sind wir dieser unbestimmten Ausgangslage mit drei Projekten.
1. Dissektion
Im Rahmen des ersten, drei Monate nach Arbeitsbeginn eingereichten Baugesuches für den schrittweisen Rückbau, wurden Schichten abgetragen und Raum- und Tragstrukturen freigelegt. Mit dem Ziel, «das Haus zwischen den Zeiten zu finden», wurden schadhafte Bauteile entfernt, provisorische Schutzmassnahmen getroffen, Verkleidungen demontiert, analysiert und eingelagert.
2. Reparatur
Die zum See orientierten Räume wiesen einen barocken Ausbau von hohem Wert auf, waren jedoch akut einsturzgefährdet; Die rückwärtigen Räume wiesen aufgrund schlechter Belüftung und ungünstigen Anordnung der Nassbereiche Holzfäule auf. Verschiedene Bauteile (wie die Brandmauer zum Nachbarhaus oder die Abfangung des vor 200 Jahren gedrehten Daches) fehlten vollständig. Spezifische Reparaturen mit einer Nutzdauer von 150+ Jahren entlasten den Bestand von der Aufgabe der Aussteifung und sichern ihn langfristig.
3. Aneignung
Um die effektive Neuprogrammierung des Hauses zu ermöglichen, wurden die Strukturen nur punktuell mit leichten, möbelartig Objekten und Einbauten ergänzt.
Privates Planerwahlverfahren 1. Preis
Hase in Silber "Hochparterre - Die Besten 2024", Nominiert zum ARC Award 2025
Publiziert u.a. in Archithese "Swiss Performance 2025", Hochparterre "12/24", Zuschnitt "#99", Frame Magazine
Architektur: Stefan Wülser + Agnieszka Łatak + Geraldine Burger + Riccardo Simioni + Clemens Krüger
Ausführung in engem Austausch mit der Denkmalpflege und der Bauforschung Mittelalter der Stadt Zug
Holzbauingenieur: IHT
Bauingenieur: Basler Hofmann
Bauphysik: RSP
Haustechnik: Olos