73 Bad in Engelberg Wettbewerb

Der heutige Zustand der Badi Sonnenberg, lässt nur noch ansatzweise erahnen, wie Beda Hefti das Verhältnis zwischen grosser Geste und feinem Landschaftsbezug austarierte. Die Besonderheit seines Entwurfs für Engelberg war die dramatische Hanglage des Grundstücks, und die daraus resultierenden Konflkte mit Heftis flächiger Organisationslogik und vertikal gegliederter Formensprache. Als möchte er sich nicht ganz festlegen, scheint sich das Bad auf den historischen Bildern halb in den Boden zu graben und sich halb von ihm abzuheben; es respektiert die Landschaft gerade soweit wie notwendig und eignet sie sich mit Leichtigkeit an, wenn es dem gebauten Raum dient. Nicht nur die Anlage selbst wurde im Laufe der Zeit verändert, auch das Umfeld der Badi hat sich gewandelt. Wo früher grosszügige, präzise Plattenbeläge die offenen Hangwiesen kontrastierten, haben sich die Dinge heute angenähert: Die Umgebung ist zweiseitig durch die Bebauung mit Einfamilienhäusern geprägt und die Badi ist, vermutlich dem Nutzungsdruck und den veränderten Funktionsanforderungen geschuldet, viel kleinteiliger und fragmentarischer gegliedert – als möchte sie selbst Teil der «Häuschen und Gärtchen» sein. Diese Veränderung im gebauten Aussenraum bildet Ausgangslage und Massstab für unser Projekt. Wir suchen eine Architektur die sich vom domestizierten Habitus der Häuser abhebt, ohne jedoch Anspruch an Grösse und Repräsentation zu erheben, wie dies die Hotelbauten Engelbergs tun. Das Projekt sucht die Zugehörigkeit zur Landschaft, zum steilen Hang über uns und zu den Bergen in naher Ferne. 

Die Badi nicht als Haus zu verstehen eröffnet ein ganzes Feld von Möglichkeiten. Wir nutzen die topografische Arena und die Höhensprünge zwischen Ankunftsort und Liegewiese, um Kassen, Garderoben und alle weiteren Funktionsräume entlang einer linearen Brücke anzuordnen. So lassen sich Freibad und Hallenbad mit demselben Eingang, derselben Kasse und demselben Garderobenbereich organisieren, ohne dass störend lange oder atmosphärisch unpassende Wegführungen nötig werden. Durch den Ausbau der Brücke zur Zwischenklimazone (gesetzliche Grundlage in Analogie zu Jahreszeitenzimmer), haben wir keine winterlichen Komforteinbussen und erreichen die Garderoben im Sommer – bei geöffneten Vertikalschiebefenstern – begleitet vom kühlem Bergwind. Diese Wandelbarkeit und Flexibilität hebt das sommerliche Baden, die Erholung und das gute, naturnahe Lebensgefühl an der Sonne, von der sportlichen Ertüchtigung im Winter ab. Die primären Elemente der Anlage: der Vierendeelträger welche die Brücke hält, die Stützmauer unter dem Ankunftsplatz sowie die neue, zeichenhafte Rutschbahn, geben der Anlage ihren generösen Massstab zurück. Während die einzelnen Bauteile mit möglichst wenig Materialwechseln und Brüchen von Grosszügigkeit sprechen, löst sich die Ganzheit der Architektur in performative Einzelteile auf und wird leicht. Wo bei Beda Hefti noch Symbolik und Motive im Zentrum standen, ist es heute die optimierte, flexible und nachhaltige Struktur, die den besonderen Ausdruck ausmacht. Die Badi als Infrastruktur zelebriert die performative Mischbauweise; das Zusammengesetzte und Pragmatische. 

Wettbewerbsbeitrag

Architektur: Stefan Wülser + Moritz Wahl
Landschaft: Andreas Klein

 
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